Sonnenschutz: Damit auch die Haut ein Sommermärchen erlebt

Sonnenstrahlen wecken Wohlbefinden und stärken die Immunstimulation. Dennoch gilt: Vorsicht vor UV-Strahlung! Denn eine schöne Bräunung führt rasch zu frühzeitiger Hautalterung. Die Folgen: schlafferes Hautgewebe, vermehrte Faltenbildung, Hyperpigmentierung und schlimmstenfalls Hautkrebs. Wer sich also möglichst lange an gesunder, schöner Haut erfreuen möchte, sollte frühzeitig auf ausreichenden Lichtschutz achten.

Das Sonnenlicht, das auf die Erde trifft, setzt sich aus sichtbarem Licht, Infrarotlicht und UV-Licht zusammen. Beim UV-Licht unterscheidet man nochmal zwischen UV-A- und UV-B-Strahlung. Für uns Menschen und unsere Haut sind UV-A- und UV-B-Strahlen sowie Infrarotstrahlen von besonderer Bedeutung.

 

Wie Strahlen wirken
Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wellenlängen dringen die verschiedenen
Strahlungsarten unterschiedlich tief in die Haut ein.Diekurzwelligen, energiereichen UV-B-Strahlen gelangen nur bis in die Oberhaut. Sie sind verantwortlich für die Verdickung der Hornschicht (Lichtschwiele), die die Haut vor dem Eindringen weiterer UV-B-Strahlung schützt. UV-B-Strahlen aktivieren zudem die Vitamin-D-Synthese und sorgen für die indirekte Bräunung der Haut. Die Pigmentierung setzt erst nach 12-24 Stunden ein, hält dafür aber länger. Doch UV-B-Strahlen lösen auch Sonnenbrände aus und schädigen die Erbsubstanz der Zellen. Übermäßige UV-B-Strahlung kann daher zu Hautkrebsvorstufen, bis hin zur Entstehung von hellem und schwarzen Hautkrebs führen.

Die längerwelligen UV-A-Strahlen hingegen haben weniger Energie, erreichen aber tiefer gelegene Schichten. Sie können bis in die Lederhaut (Dermis) eindringen. Durch UV-A-Strahlen kommt es zu einer schnelleren Sofortbräunung, doch sie können unter anderem zur sonnenbedingten, vorzeitigen Hautalterung (Photoaging) und Allergien führen. Sowohl Sonnenschutzmittel als auch Tagespflege mit SPF sollten daher einen UV-A Schutz von mindestens einem Drittel des ausgewiesenen Lichtschutzfaktors aufweisen. Auch Infrarotstrahlung spielt zunehmend eine Rolle. Wir nehmen sie „nur“ als Wärme wahr, allerdings dringt vor allem ihr kurzwelliger Anteil noch tiefer in die Haut ein als UV-A-Strahlen. Die damit verbundene Hitzeentwicklung und der starke oxidative Stress sind maßgeblich mitverantwortlich für Elastizitätsverlust und Beeinträchtigung der Hautdichte.

 

Der Lichtschutzfaktor ist der Faktor, um den sich die Eigenschutzzeit der Haut multipliziert

 

Vorsorge und Nachsorge

Die Höhe des Lichtschutzfaktors (LSF) bzw. Sun Protection Factor (SPF) richtet sich immer nach der Eigenschutzzeit der Haut, die abhängig ist vom individuellen Hauttyp. Es gilt: Je heller der Hauttyp, desto kürzer die Eigenschutzzeit und je höher sollte der verwendete Schutz sein. Lichtschutzprodukte können den individuellen hauteigenen Schutz durch den deklarierten SPF verlängern. Er gibt den Faktor an, um den sich die Eigenschutzzeit der Haut multipliziert. Ein Rechenbeispiel: Wenn die Eigenschutzzeit der Haut 5 Minuten und der verwendete Lichtschutz 30 beträgt, kann man 150 Minuten die Sonne genießen, ohne Sonnenbrand zu bekommen.

Der tägliche UV-Schutz spielt vor allem in der Nachsorge vonAnti Aging Treatments eine entscheidende Rolle, denn die Haut ist nach Behandlungen wie Schälkuren oder Dermabrasionen aufnahmefähig, aber auch ungeschützt. Das empfindliche Gewebe muss im Anschluss mindestens sechs Wochen lang gut vor UV-Strahlen geschützt werden, damit die Regeneration nicht gestört wird, es nicht zu unschönen Hyperpigmentierungen kommt und somit ein optimaler Behandlungserfolg erzielt wird. Ein Lichtschutzfaktor von 30 bis 50+ ist daher ein Muss. Nach chirurgischen Eingriffen wie beispielsweise einer Lidstraffung müssen die frischen Narben ebenfalls intensiv vor der Sonne geschützt werden, um die Wundheilung nicht zu beeinträchtigen. Neben UV-Filtern sollten sowohl Anti-Aging- als auch Sonnenschutzprodukte immer zusätzliche Wirkstoffe enthalten. „Sekundäre Lichtschutzstoffe“ wie Antioxidantien mindern und verhindern die UV-induzierten, zellangreifenden Reaktionen und helfen, den Auswirkungen lichtbedingter, vorzeitiger Hautalterung vorzubeugen. Feuchtigkeitsspendende Aktivstoffe geben der Haut die verlorene Feuchtigkeit zurück.

 

Ist der Sonnengenuss beendet, beginnt die Nachpflege

 

Sonnenschutz und Tagespflege Hand in Hand

Bei der Tagesroutine ist wichtig, dass der Sonnenschutz wieder gründlich von der Haut entfernt wird. Da die Haut durch die Sonne oft trocken ist, empfehlen sich zur Pflege feuchtigkeitsspendende Cremes, Lotionen und Seren. Hierzu zählt insbesondere auch eine rückfettende bzw. feuchtigkeitsspendende Reinigungslotion oder Milch. Gerade im Sommer sollte keinesfalls auf ein Gesichtswasser verzichtet werden, um die Haut nachzureinigen, zu tonisieren und zu erfrischen. Auch Feuchtigkeitsampullen und erfrischende Masken gehören in sonnenstarken Monaten zur täglichen Pflegeroutine. Tipp: Als SOS-Pflege und zur intensiveren Kühlung die Produkte im Kühlschrank aufbewahren! Und die sogenannten Sonnenterrassen nicht vergessen: Kopf, Ohren, Nase, Lippen, Dekolletee, aber auch Füße und Schultern. Um einer„knitterfreien Augenpartie“ vorzubeugen, immer qualitativ hochwertige Sonnenbrillen verwenden und auf reichhaltige Augenpflegeprodukte achten. Neben Produktempfehlungen für zu Hause können beispielsweise Anti-Aging oder Moisture-Behandlungen die Regeneration sonnengestresster Haut wieder ankurbeln. Um nachhaltige Erfolge von Anti-Aging-Behandlungen zu erzielen, ist es ratsam, einen Lichtschutz in die tägliche Pflegeroutine mit einzubauen, um vorzeitiger, sonnenbedingte Hautalterung vorzubeugen.

 

Verhaltensregeln zum Sonnengenuss

  • Direkte Mittagssonne in der Zeit von 11 bis 15 Uhr meiden

  • Nicht nur Wasser und Sand, auch Schnee reflektiert die Strahlung

  • Schon vor dem Ankleiden großzügig mit Lichtschutz eincremen, da auch im Schatten ein Teil des direkten Sonnenlichts auf die Haut trifft.

  • Ausreichende Auftragsmenge beachten. Faustregel: 2 mg pro cm2 Hautoberfläche

  • Beim Baden und Sport regelmäßig nachcremen

  • Bei empfindlichen Hauttypen immer mindestens SPF 30 wählen

  • Die durch den LSF erweiterte maximale Schutzzeit kann durch „Nachcremen“ nicht verlängert werden

 

Die Behandlung von Hyperpigmentierungen im Institut sollte mit viel Geduld angegangen werden. Es empfiehlt sich, in die Behandlungen Produkte mit Wirkstoffen zu integrieren, die alle an unterschiedlichen Punkten ansetzen: an Pigmentbildung, Pigmenttransfer und Pigmentabbau. Zusätzlich ist ein Muss, dass die Kundin zu Hause mit den entsprechenden Pflegeprodukten mitarbeitet und täglich ein Lichtschutzpräparat aufträgt! Die Lichtschwiele kann beispielsweise nach einem Sommerurlaub im Rahmen einer Kosmetikbehandlung mechanisch oder enzymatisch reduziert werden. Anschließend ist die Haut wieder aufnahmefähiger für die Wirkstoffe, sowohl in der Kabine als auch bei der Heimpflege.

 

Die Rolle von Vitamin D

Eine der positivsten Wirkungen des UV-Lichts ist die Bildung von Vitamin D. Es ist streng genommen ein Hormon, das in der Haut nur unter Einwirkung von UV-B-Strahlung gebildet wird.Benötigt wird es für die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung, das wiederum für den Knochenbau essenziell ist. Fand über den Sommer keine ausreichende Aufnahme von Vitamin D statt, etwa aufgrund von Krankheit oder hohem Alter, kann es im Herbst/Winter, sofern weniger Zeit im Freien verbracht wird, zu einem Mangel kommen. Wie viel Sonnenlicht letztendlich benötigt wird, hängt maßgeblich vom Hauttyp ab. Die derzeitige Empfehlung wissenschaftlicher Behörden und Fachverbände lautet: Gesicht, Hände und Unterarme unbedeckt und ohne Sonnenschutz zwei- bis dreimal pro Woche für die Hälfte der Eigenschutzzeit der Haut dem Sonnenlicht aussetzen. Zur Vorsicht kann der Vitamin-D-Spiegel bestimmt und eventuelle Mängel durch eine zeitweise Vitamin-D-Zufuhr in Form von Tabletten oder Kapseln ausgeglichen werden.

 

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio, Geschäftsführerin Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik GmbH, ist Dermatologin und Allergologin. Als Anti-Aging-Expertin entwickelt sie Behandlungsmethoden und -produkte.

Christine Drusio, Mitglied der Geschäftsleitung Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik GmbH, ist Fachärztin für Dermatologie und Venerologie sowie Referentin bei Vorträgen und Seminaren.

 

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