Heimisch in Mitteleuropa

Aloe-Moos (lateinisch: Aloina aloides) ist der schöne Name eines der Moose, das für kosmetische Zwecke von besonderem Nutzen ist. Es handelt sich um ein winziges dunkelgrünes bis rötlich-braunes Moos, das 2 bis 5 mm groß wird. Die starren Blätter bilden eine Rosette. Aufgrund der Ähnlichkeit seiner Blätter mit denen der Aloe-Vera-Pflanze erhielt das Aloe-Moos seinen Namen, allerdings ist diese zwei Größenordnungen größer. Das Aloe-Moos ist heimisch in mitteleuropäischen Wäldern und zahlreiche Waldfreunde und -freundinnen sind ihm bei einer Wanderung auf einer Waldlichtung schon begegnet, ohne zu ahnen, welche Wohltat es für die Haut sein kann.

 

Die Rohstoffgewinnung erfolgt ohne Schädigung der Vegetation

 

Wie wird das Moos zum Wirkstoff?

Um die Vegetation des Waldes nicht zu schädigen, werden zur Rohstoffgewinnung nicht einfach – wie bei Pflanzenextrakt üblich – im Freiland Moospflänzchen aufgesammelt und mit einem Lösungsmittel extrahiert. Vielmehr werden Mooszellen unter sterilen Bedingungen gezüchtet und die Wirkstoffe extrahiert. Diese Methode ist einerseits nachhaltig, andererseits erreicht man hiermit standardisierte Wirkstoffgehalte, was bei einer „Wildsammlung“ (so romantisch das auch klingt) niemals zu erwarten wäre.

 

Ein Motor für die Zellkommunikation

Was ist nun aber das wirksame Prinzip von Aloina aloides? Biochemiker*innen haben einen Stoff isoliert, der im INCI unter dem Namen Ketoglutaric Acid auftaucht, also vereinfacht gesagt eine organische Säure. Dieser Wirkstoff hat entscheidende Eigenschaften. So stellte man in der Petrischale („in vitro“) eine verbesserte und effizientere Zell-zu-Zell-Kommunikation fest. Diese intensive Kommunikation der Zellen untereinander ist für die Moospflänzchen draußen sinnvoll, wenn sie nach Trockenheit oder Frost den Stoffwechsel wieder in Gang bringen. So funktionieren diese im Sinne des Gesamtorganismus und es „werkelt“ nicht jede Zelle alleine vor sich hin.

 

Wie die Pflanze – so auch die Haut

Hier entsteht eine Parallele zu unserer Haut. Auch diese lässt im Laufe der Jahre langsam in ihrer Funktion nach und einzelne Partien „machen sich selbstständig“ und scheren aus dem Gesamtzusammenhang aus. Die Folge einer solchen Desintegration in den Gesamtorganismus sind Hautunregelmäßigkeiten, Altersflecken und im Extremfall sogar Hautkrebs sowie natürlich auch Austrocknung, Faltenbildung und viele andere Erscheinungen. Moosextrakt (diesmal „in vivo“ – also im echten Leben) steuert dem nachgewiesenermaßen entgegen, indem es die Zell-zu-Zell-Kommunikation der menschlichen Hautzellen aktiviert. Das Resultat sind dann eine Reihe von „Benefits“:

- Zeichen der Hautalterung wie Hautelastizität, Faltenvolumen und -tiefe werden reduziert.

- Die Hauthydratation wird verbessert und die Feuchtigkeitsverteilung homogener.

- Trockene Haut wird beruhigt.

- Die Haut sieht jünger, frischer und gleichmäßiger aus, weil sie in ihrer Lebensfunktion gestärkt wird.

 

Der Moosextrakt ist vielfach einsetzbar.

 

Wie wird nun der Moosextrakt appliziert?

Es ist möglich, den Moosextrakt in die üblichen kosmetischen Darreichungsformen für Gesicht, Hals und Dekolleté einzubinden, also Tages- und Nachtcremes, Massagecremes, Anti-Faltencremes, Masken, Ampullen, Fluids etc. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung. Auch Körperbehandlungen sind grundsätzlich denkbar, aber eine Frage des Preises. Da der Wirkstoff etwas Besonderes ist, das seinen Preis hat und in standardisierter Konzentration eingesetzt werden muss, werden Körperpflegeprodukte natürlich wesentlich höher kalkuliert werden als üblich. Aber wer weiß, vielleicht entpuppt sich in einem Hotel der oberen Preisklasse eine Luxus-Körperbehandlung mit Moosextrakt als lohnendes Treatment?

 

Frische, Feuchtigkeit, Erholung und Regeneration

Ansprechend beim Thema Moos ist der Waldbezug, der Frische, Feuchtigkeit, Erholung und Regeneration suggeriert und den man auch im Zusammenhang mit dem Thema Waldbaden umsetzen kann. Da das Produkt ökologisch „clean“ und überdies vegan ist, kann man hier mit Umweltgesichtspunkten „punkten“. Denkbar sind Behandlungen in der Kabine mit entsprechender Beleuchtung, Duft und Klang (z.B. Vogelstimmenkonzert). In einem Hotel ist eine Behandlung vielleicht sogar im Zusammenhang mit einem Waldspaziergang – frühmorgens in aller Frische und bei Vogelgesang – denkbar, bei dem man mit Tau benetztes Moos entdeckt und wer weiß, vielleicht sogar das Aloe-Moos. Moos hilft uns. Das wusste im Grunde genommen auch schon Aristoteles. Moose werden das Anthropozän (unser gegenwärtiges Erdzeitalter) mit ziemlicher Sicherheit überleben, aber überleben wir Menschen das Anthropozän?

 

Vita:

Klaus Maier ist Biologe sowie Chemiker und als Laborleiter bei der Beatrix Strobl Cosmetic GmbH tätig.

 

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