Gibt es die „sensible Haut“?
– Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten, Tipps

Glaubt man den Aussagen von Verbrauchern, leiden erstaunlich viele Menschen unter einer „sensiblen“ Haut. Doch was heißt das überhaupt und wie sollte die Kosmetikerin damit umgehen?

 

Jede Haut ist von Natur aus sensibel, also zur Reizaufnahme und Reizbeantwortung fähig. Das ist eigentlich eine äußerst positive Eigenschaft. Eine Reizüberflutung oder eine verminderte Reizabwehr unserer Haut kann jedoch zu unerwünschten Fehlreaktionen führen. Oft wird darunter dann „sensible Haut“ als ein eigenständiger Hautzustand verstanden, der durch Hauttrockenheit und rasch auftretende Rötungen charakterisiert ist. Folglich bieten einige Kosmetikhersteller spezielle Pflegeserien für „sensible Haut“ an. Wie allerdings jede Kosmetikerin aus ihrer täglichen Arbeit weiß, gibt es diesen eng umschriebenen und eigenständigen Hautzustand überhaupt nicht. Aufgrund von besonderen inneren oder äußeren Ursachen kann eine Haut empfindlicher als üblich reagieren. Jede Haut hat also ihre eigene „sensible Haut“ mit jeweils speziellen Ursachen und Behandlungsanforderungen. Streng genommen ist das Auftreten einer „sensiblen Haut“ ein Zeichen für eine falsch oder zumindest nicht optimal gepflegte Haut.

 

Hautirritationen kommen nicht von ungefähr

Ein möglicher Grund für erhöhte Hautsensibilität kann eine verstärkte Empfindlichkeit auf einen äußerlich zugeführten Stoff im Sinne einer echten Allergie, also mit Beteiligung des Immunsystems, sein. Dies resultiert in der Regel durch eingeschränkte Hautbarrieren und gestörte Kontrollmechanismen innerhalb des Immunsystems (z.B. Überreaktionen der Immunzellen). Unspezifische Reaktionen der Haut auf Substanzen mit hautirritierenden Eigenschaften werden aber auch durch eventuelle Beeinträchtigung der Hautimmunzellen, eine verdünnte Epidermis, Hauttrockenheit oder nervale Störungen hervorgerufen. Diffuse Rötungen, die nach dem Berühren der Haut auftreten, sind möglicherweise ein Resultat von erhöhter Reizbarkeit der Hautnerven und Erweiterung der Blutkapillaren. Eine verstärkte Reaktion auf Sonnenlicht durch fehlende oder schwache Lichtschwielen oder Pigmentierung sowie eingeschränkte Reparaturmechanismen führt ebenfalls zu Hautirritationen. Ein Auslöser können auch klimatische Reize sowie die Neigung zu Entzündungsvorgängen im follikulären Bereich sein.

 

Zuviel des Guten führt zu Hautreizungen
Die Kunst besteht nun darin, die zugrunde liegende Ursache für die Überreaktion herauszufinden. Erst danach kann die Kosmetikerin aus den ihr zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten und kosmetischen Präparaten diejenigen auswählen und zusammenstellen, die der jeweiligen Schwäche entgegenwirken bzw. diese ausgleichen. Neben anlagebedingten Problemen (schwaches Bindegewebe, fragile Blutgefäße etc.) sowie der Lebensweise (Alkohol, Nikotin, Ernährung, Stress, Medikamente etc.) spielt die bisherige kosmetische Pflege der Kundin eine entscheidende Rolle. Oftmals wird in der Kosmetik (und in der Medizin) die Haut durch zu häufige und unkritische Anwendungen von Dermabrasion, Peelings, Fruchtsäuren, Unterspritzungen und Ähnlichem bis kurz unter die Reizschwelle behandelt.

 

Individuelle Behandlung für eine gesunde Haut

Kurzfristig führen diese „modernen“ Verfahren zu einer Glättung der Haut (scheinbare Faltenreduktion durch Ödembildung) und zu einem rosigen Teint (Erhöhung der Hautdurchblutung und gesteigerte Basalzellteilung). Über kurz oder lang kann jedoch das „Umkippen“ der Haut mit dramatischen Folgen kaum verhindert werden. Durch Beeinträchtigung der Hautbarriere trocknet die Haut in tieferen Schichten aus, Immunzellen werden in der Kommunikation mit den Hornhautzellen gestört und reagieren hysterisch. Fibroblasten bilden statt des „jugendlichen“ Kollagens (Typ III) vermehrt „älteres“ Kollagen (Typ I). Die Haut wird trocken, irritiert und altert vorzeitig. Hat die Kundin mit „sensibler Haut“ eine derartige Odyssee hinter sich, müssen zunächst alle („über“)reizenden Impulse unterbrochen, die Barriere sehr einfühlsam wiederhergestellt und soweit wie möglich die sichtbaren Symptome bekämpft werden. Das ist meist nicht so einfach wie es sich anhört. Denn selbst sinnvolle und „harmlose“ Wirkstoffe dringen aufgrund der defekten Hautbarriere tief in die Haut ein, kommen dort in Kontakt mit den (hysterischen) Immunzellen und können heftige Irritationen hervorrufen. Auch die Beschränkung auf zum Beispiel pflanzliche Extrakte bringt in dieser Hinsicht keinen Vorteil, denn gerade natürliche Substanzen werden von den sowieso schon überreizten Immunzellen als Bedrohung empfunden. Es muss also durch langsame Steigerung der Wirkstoffkonzentrationen zunächst ein behutsamer Wiederaufbau der Hautbarriere herbeigeführt werden. Erst danach können Kosmetika mit beispielsweise stärker entzündungswidrigen, befeuchtenden oder glättenden Wirkstoffen eingesetzt werden.

Es gibt Experten, die aus den genannten Gründen spezielle Pflegeserien für die „sensible Haut“ als wenig sinnvoll erachten. „Sensible Haut“ muss je nach vorliegenden auslösenden Ursachen individuell behandelt werden. Dennoch kann eine „Notfallcreme“ mit bekannt reizarmen und schwach barrierestärkenden Inhaltsstoffen zur vorübergehenden Beruhigung aller überreizten Hautzustände durchaus angebracht sein, bevor dann die dem zugrunde liegenden Hautzustand entsprechenden Produkte zum Einsatz kommen.

 


Prof. Dr. Michael Schmidt, Mitinhaber und wissenschaftlicher Leiter der Dermatolan GmbH, gehört zu den bekanntesten Autoren und Referenten im Bereich der modernen Hautpflege. Info: www.dermatolan.de

 

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