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Am 25. März 2020 wurde die Fachkunderichtlinie zur NiSV veröffentlicht. Worauf kommt es jetzt an und was erwartet die Kosmetike- rin im Einzelnen? Darüber haben wir mit Dominik Bauermeister gesprochen, der auch Mitglied im Verband Cosmetic Professional ve. V. (VCP) ist und sich hier mit dem Thema apparative Kosmetik und den dazugehörigen Verordnungen beschäftigt.

kosmetik & pflege: Welche Anwendungen sind von der Fachkunderichtlinie betroffen?

Dominik Bauermeister: Die genannte Richtlinie ist als Präzisierung der Verordnung zum Schutz vor nicht-ionisierenden Strahlen zu verstehen, die bereits am 5. Dezember 2018 im Bundesgesetzblatt veröffentlich wurde. Hierin wird detailliert aufgezählt, welche Technologien angewandt zu kosmetischen oder nicht-medizinischen Zwecken eines besonderen Fachkundenachweises bedürfen. Auch wenn einige Behandlungsmöglichkeiten (z. B. Entfernung von Tattoos oder Permanent Make-up mittels IPL oder Laser) explizit für Nicht-Fachärzte in Dermatologie oder plasti- scher Chirurgie verboten werden, so orientiert sich die Abgrenzung eher an Technologien innerhalb präzise definierter Leistungs- grenzen. Diese Technologien sind Laser und intensive Lichtquellen, Hochfrequenzgeräte (z. B. Radiofrequenz), Niederfrequenz-, Gleichstrom- und Magnetfeldstimulationsgeräte, Ultraschall.

k&p: Wie kann die Kosmetikerin ein- schätzen, wozu ihr Gerät gehört und ob es von den Grenzwerten erfasst wird?

DB: Hier liegt ein erhebliches Problem vor. In der Kosmetik haben wir es häufig mit künstlichen Wortschöpfungen zu tun, die keinen Rückschluss auf die tatsächlich eingesetzte Technologie zulassen (z. B. kosmetische Mesotherapie). Da bleibt dem Anwender nur die Möglichkeit seinen Lieferanten, um Auskunft zu bitten. Hierzu kann man sich einen Vordruck zur Anfrage von der Website des VCP downloaden. Etwas anders sieht es bei den definierten Grenzwerten aus. Diese sind vom BMU so niedrig angesetzt worden, dass man davon ausgehen muss, dass jedes technologierelevante Gerät hiervon erfasst wird. Sollte der Lieferant anderer Meinung sein, würde ich mir dies unbedingt schriftlich bestätigen lassen

k&p: Welche Neuigkeiten offenbart uns denn die Richtlinie vom März diesen Jahres?

DB: Sie gibt detailliertere Informationen darüber, welche Inhalte/Umstände die Bildungsträger (z. B. Kosmetikschulen) gewährleisten müssen, damit die Vorgaben aus der Verordnung als umgesetzt gelten. Da die Bildungshoheit aber nicht beim Bund, sondern bei den Ländern liegt, waren lange Abstimmungsprozesse nötig.

 

k&p: Was muss eine Kosmetikerin unternehmen?

DB: Jede Kosmetikerin (Heilpraktiker, Fitness-Trainer etc.) – egal ob Inhaberin oder Angestellte –, die zukünftig mit unter die NiSV fallenden Geräten arbeiten möchte, muss dafür den Erwerb des entsprechenden Fachkundenachweises darlegen können.

k&p: Wo sehen Sie hier das größte Problem?

DB: Definitiv in der verfügbaren Zeit. Laut Verordnung müssen die Fachkundenachweise spätestens bis 31.12.2021 vorliegen – andernfalls droht eine Stilllegung des Geräts und nicht unerhebliche Ordnungsstrafen. In unserem Fachverband VCP gehen wir davon aus, dass allein im Bereich Kosmetik 50-60.000 Zertifikate absolviert werden müssten. Es ist aber völlig unklar, wie diese Kapazität in den kommenden 18 Monaten geschaffen werden soll – um ehrlich zu sein, wir halten dies für gar nicht darstellbar.

k&p: Wer darf derartige Fortbildungen anbieten?

DB: Grundsätzlich gibt es hier keine Einschränkungen. Jeder Ausbildungsbetrieb muss zwingend die Vorgaben von Verordnung und Richtlinie einhalten.

k&p: Gibt es keine verpflichtenden Zertifizierungen?

DB: Nein! Wir als VCP haben noch während des Verabschiedungsprozesses wieder und wieder das BMU darauf aufmerksam gemacht, dass eine Zertifizierung dringend geboten wäre, damit die Kosmetikerin von Beginn an weiß, ob der Kurs, den sie sich aus- gesucht hat, den behördlichen Anforderungen entspricht. Leider hat man die Bedeutung dieses Arguments erst erkannt als die Verordnung bereits vom Bundesrat beschlossen war. Dieses versucht das BMU mit der jetzigen Richtlinie etwas zu »heilen«. Es wird eine frei- willige Zertifizierungsmöglichkeit geschaffen werden. Dies bedeutet wahrscheinlich, dass akkreditierte Zertifizierungsstellen das noch zu schaffende Zertifizierungsprogramm anbieten können und interessierte Schulen auf Einhaltung der Vorgaben überprüfen können. Absolviert die Kosmetikerin dann nach der Ausbildung an einer qualifizierten Schule die Prüfung bei dieser Zertifizierungsstelle, kann sie 100% sicher sein, dass ihr Zertifikat vom Behördenmitarbeiter auch anerkannt wird. Allerdings ist es nicht absehbar, wann diese freiwilligen Zertifizierungen möglich sein werden. Erstens ist dieses Programm bei der relevanten Stelle DAkkS noch gar nicht fertiggestellt, zweitens braucht es dann nochmals mindestens 9-12 Monate bis eine Zertifizie- rungsstelle die notwendige Akkreditierung für dieses Programm erhält. Und dann haben wir bereits Mitte 2021.

k&p: Worauf sollte eine Kosmetikerin bei der Wahl des Fachkundeanbieters achten?

DB: Ich würde darauf achten wie transparent und proaktiv die Schule mit den einzuhaltenden Vorgaben umgeht. Gibt es eine Checkliste, welche die einzuhaltenden Kriterien aus Verordnung und Richtlinie aufführt und die Einhaltung selbiger bestätigt, so würde ich ihr mehr Vertrauen schenken, als wenn nur ein kurzsilbiges Angebot vorliegt. Vielleicht würde ich mir sicherheitshalber bestätigen lassen, dass die Kursgebühr zurückerstattet wird, sollte die Behörde das Zertifikat trotz Bestehens nicht anerkennen. Denn dass sich jede Kosmetikerin intensiv mit der Richtlinie befasst, um selbst die Seriosität des Anbieters beurteilen zu können, halten wir nicht für realistisch.

k&p: Kann die Fachkundeschulung auch mittels E-Learning durchgeführt werden?

DB: Teils, teils. Für jede Fachkunde ist genau definiert, welche Inhalte mit wie viel Lerneinheiten durch E-Learning absolviert werden dürfen. Ich kann verstehen, dass im Beruf stehende Kosmetikerinnen, diesen Teil lieber zu einer beliebigen Uhrzeit zu Hause lernen als sich in ein Klassenzimmer zu setzen.

k&p: Ist es Ihrer Ansicht nach besser, möglichst schnell die anstehenden Schulungen zu absolvieren oder sollte man noch ein wenig warten?

DB: Hat man eine überzeugende Schule gefunden, raten wir dazu, die Fortbildung nicht auf die lange Bank zu schieben. Absolvieren muss man sie ja ohnehin. Ob die Branche die notwendigen Ausbildungskapazitäten auch tatsächlich in dem kurzen Zeitraum wird aufbauen können, da sind wir einigermaßen skeptisch. 2022 kommt schneller als man denkt.

Quelle: kosmetik & pflege Fachmagazin 3/2020

 

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